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Mantel “Maru” (VikiSews)

Das virtuelle Nähtreffen mit Chrissy und Muriel, “Zwischen Nadel und Faden”, habe ich dazu genutzt, einen schönen Wollstoff zu verarbeiten, den ich in meinem Stoffvorrat hatte: ein schwarz-weißer Hahnentritt mit kleinen, bunten Punkten. Diesen hatte ich vor einigen Monaten bei dp Studio Fashion bestellt, die neben Schnitten jetzt auch Stoffe verkaufen.

Als Schnittmuster habe ich den Mantel “Maru” von Vikisews ausgesucht: ein klassischer Schnitt mit Reverskragen, doppelreihigem Knopfverschluss und überschrittenen Schultern. Von der Länge her gesehen handelt es sich eigentlich eher um eine Jacke als einen Mantel.

Schnittmuster

Bei dem russischen Schnittmuster-Hersteller VikiSews habe ich zum ersten Mal bestellt. Anders als bei Grasser orientieren sich die Größen an den europäischen Größen – der Schnitt ist in 34-52 erhältlich. Bei Grasser nähe ich die 44, hier habe ich mich für eine 38 entschieden (bei Körpergröße 170-176 cm).

Technische Zeichnung: Vikisews

Ich habe mir sagen lassen, dass es den Schnitt auf dem Bernina-Blog kostenlos gab. Dabei handelte es sich offenbar um ein zeitlich befristetes Angebot – jedenfalls habe ich es auf dem Blog nicht mehr gefunden. Die russischen Schnittmuster sind aber zum Glück sehr günstig. Der Mantelschnitt kostet 300 Rubel, was ungefähr 3,50 Euro entspricht.

Dafür bekommst Du einen Download für Mantel und Futter sowie eine sehr ordentliche Nähanleitung – zwar in russischer Sprache, aber mit vielen Fotos. Da die Nähschritte bei Jacken und Mänteln mehr oder weniger immer die gleichen sind, habe ich ohne Anleitung genäht.

Tipps zum Schnittmuster

Die Angaben zum Stoffverbrauch sind meiner Meinung nach zu knapp bemessen. Ich bin mit meinen 2,15 m Wollstoff gerade so hingekommen – angegeben waren 2,05 m für den Oberstoff (bei 140 cm Stoffbreite).

Ein paar Änderungen habe ich bei den Schnittteilen vorgenommen: Beim Ausschneiden des Schnittmusters fiel mir auf, dass der hintere Kragenbeleg fehlt. Offenbar soll dort mit dem Futter verstürzt werden, was ich bei einem dicken Wollstoff sehr ungünstig finde. Also habe ich mir selbst einen Beleg erstellt und das Futter entsprechend kleiner zugeschnitten.

Den Ärmel habe ich um drei Zentimeter verlängert. Außerdem habe ich den Futterstoff für das Rückenteil im Bruch ausgeschnitten, um unten im Saum etwas mehr Spiel zu haben.

Verarbeitung

Bei der Verarbeitung hat mich das dicke Material ganz schön herausgefordert. Teilweise war es schwierig, den Stoff überhaupt unter den Nähfuss zu legen. Aus dem Grund habe ich die aufgesetzten Taschen auch komplett von Hand aufgenäht.

Bei einem dicken Stoff sollte man auch überlegen, ob die vorgesehene Einlage in den Vorderteilen erforderlich ist. Vorne hat mein Mantel – abgesehen vom Saum – keine Vlieseline. Hinten habe ich mich an die Vorlage gehalten, die sehr schön im Schnittmuster eingezeichnet ist.

Den Reverskragen sollte man unbedingt mit einer Spiegelnaht verarbeiten, damit der Wollstoff einigermaßen flach liegt.

Eine weitere Herausforderung war das starke Ausfransen des Stoffes, der aus dicken Fäden gewebt ist. Ich habe mich nach einem missglückten Probeknopfloch gegen handgestickte Knopflöcher entschieden und Paspelknopflöcher aus einem schwarzen, nicht ganz so sperrigen Wollstoff genäht. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich auch für diese Variante erst einmal ein Probeknopfloch angefertigt:

Die großen Knöpfe habe ich mit Nähseide in verschiedenen Farben angenäht – passend zu den bunten Punkten im Stoff.

Meine Vorliebe für geflochtene Aufhänger kennt Ihr ja bereits … 😉

Das Futter habe ich übrigens noch mit einem blauen Futterpaspel-Streifen unterlegt. Wenn schon, denn schon!

Meistens bekommen meine Jacken und Mäntel Schulterpolster. Bei dieser Schnittführung mit überschrittenen Schultern habe ich jedoch darauf verzichtet.

Bei dem Nähtreffen sind viele tolle Sachen entstanden, von denen wir beim heutigen MeMadeMittwoch sicher einige sehen werden. Es wurden auch Ufos vollendet und Sachen geflickt. Auch eine gute Gelegenheit für solche Arbeiten!

Danke an dieser Stelle einmal an alle, die sich dafür engagieren, dass wir so eine lebendige Nähcommunity haben! An das MeMadeMittwoch-Team sowie Muriel und Chrissy, die dieses wunderbare Nähtreffen organisiert haben!

Herzliche Grüße

Eure Julia

16 Kommentare

  1. Ein perfektes Match von Stoff und Schnittmuster, so wie wir es von Dir gewöhnt sind 🙂 Der Stoff ist ein Träumchen, die bunten Pünktchen sind so toll.
    Tolle Verarbeitung!

    LG
    Sandra

  2. Ein kleines, feines Detail, die Knöpfe mit verschieden-farbigen Knopflochseiden anzunähen und so das zu Stoffmuster zu wiederholen. Wieder mal einer sehr gelungene Jacke! LG Manuela

  3. Miriam Miriam

    Liebe Julia, neben den bereits beschriebenen Details zu deiner tollen Jacke, begeistert mich ja, dass du die Farbpalette im Hintergrund deiner Fotos wieder aufgenommen hast. Liebe Grüße, Miriam

  4. Wie perfekt genäht und der geflochtene Aufhänger ist ein Augenschmaus.

  5. Liebe Julia,
    Deine Jacke ist so perfekt und wie immer genau auf den Punkt. Passt toll zu Dir. Eine Augenweide – nicht zuletzt durch den schönen Stoff!
    LG
    Birgit

  6. Wahnsinn, diese Perfektion, die Paspel am Futter und die Knopflöcher… Richtig toll alles, gut, dass du diesen Stoff gebendigt hast! LG Sarah

  7. Hach eine tolle Jacke der Stoff gefällt mir super gut, klassisch mit etwas Pfiff durch die bunten Sprenkel. Die Idee mit den unterschiedlichen Farben für die Knöpfe ist auch prima. LG Jeanette

  8. Wundervoll! Ganz große Kino ist Deine Jacke mit den feinen Details. Meine Hochachtung für die tollen Paspelknopflöcher – daran habe ich mich noch nicht versucht. Steht dir prima die Jacke, ganz wunderbar. LG Kuestensocke (die heute endlich das Kleid aus Deinem Schnittmuster-Geschenk zeigt)

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Frau Küstensocke,
      ich habe das Kleid gerade schon bewundert und mich sehr gefreut! 🙂 Was die Paspelknopflöcher anbelangt: das ist ja reine Übungssache. Hundert Prozent perfekt sind meine Knopflöcher auch nicht, aber ich finde das immer eine bessere Lösung, als ein Maschinenknopfloch in einen Wollstoff zu hauen.
      LG Julia

  9. Superschön, nicht zuletzt wegen deiner sorgfältigen Verarbeitung und den liebevollen kleinen, aber feinen auf den Stoff abgestimmten Farbakzenten.
    LG von Susanne

    • piek&fein piek&fein

      Vielen Dank, liebe Susanne! Die Details haben sich im Laufe des Nähen ergeben – ich hatte das gar nicht von Anfang an geplant. LG Julia

  10. Der Stoff ist wunderschön mit den Tupfen und durch die mit unterschiedlicher Farbe angenähten Knöpfe bekommt die schlichte Jacke (wirklich kein Mantel) einen tollen Akzent. Wenn der Stoff so dick ist, wärmt er bestimmt oder hoffentlich auch sehr gut. Was ist eine Spiegelnaht, nie gehört, muss ich erstmal recherchieren, lg Anja

    • piek&fein piek&fein

      Liebe Anja,
      bei der Spiegelnaht geht es darum, den Kragen rundherum am Halsausschnitt und am Revers festzunähen und die Nähte auseinander zu bügeln, bevor man Ober- und Unterkragen wieder aufeinander legt (spiegelt). Dadurch wird die Geschichte nicht zu dick, was ja insbesondere bei einem Wollstoff vorteilhaft ist.
      Herzliche Grüße
      Julia

  11. Deine Jacke ist ganz toll geworden, sehr schöne Details.

    LG, Heike

    • piek&fein piek&fein

      Liebe Heike,
      vielen Dank! Die bunten Garnröllchen aus Seide habe ich im Nähkurs gefunden, wo wir einen schönen Vorrat haben.
      LG Julia

      • So ein wundervoller Mantel. Ich bin ganz begeistert und so dankbar, dass ihr alle eure Werke so mit uns teilt. Ihr seid meine Motivation und Vorbilder. Vielen Dank für die Inspiration und auch die Lerneffekt!
        LG Miriam

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