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Frühlingsmantel (Müller & Sohn)

Kennt Ihr die Nähzeitschrift von Müller & Sohn? Dieses “Fachmagazin für Mode und Schnitt-Technik” erscheint monatlich und richtet sich in erster Linie an die Profis. Die Beiträge über Schnitttechnik, Verarbeitung und Modetrends beziehen sich auf Damen- sowie Herrenbekleidung und sind auch für Hobbyschneiderinnen interessant. Leider sind die Hefte mit 20,80 € pro Ausgabe sehr teuer. Ich empfehle Euch aber in jedem Fall einen Blick auf die Website zu werfen, wo es viele nützliche Nähtipps kostenlos gibt.

Wir haben ein Abo im Nähkurs, wo ich die Hefte gerne durchblättere. Als Beilage gibt es immer zwei Fertigschnitte, die auch als Download erhältlich sind. Einen Mantel aus dem Dezemberheft 2021 (Modell 2) möchte ich heute vorstellen.

Nähinspiration: durchgeknöpfte Mäntel

Leider haben die Müller&Sohn-Schnittmuster weder Namen noch Hashtags, so dass Designbeispiele auf Social-Media praktisch nicht zu finden sind. Hier ist also etwas Phantasie gefragt, wie das Teil nachher aussehen könnte. Das ist mein fertiger Mantel:

von vorne und von hinten

Designelemente & Schnittdetails

Aufgrund der aufwändigen Schnittkonstruktion kannst Du den Mantel nicht an zwei Nachmittagen nähen. Die Verarbeitung ist sehr zeitraubend, jedoch lohnt sich der Aufwand!

Der Mantel ist lang geschnitten, hat Teilungsnähte im Vorder- und Rückenteil, einen rückwärtigen Schlitz sowie einen klassischen Reverskragen.

Neben dem gebundenen Koller machen die durchgeknöpften Ärmel den Mantel zu einem besonderen Kleidungsstück.

Durchgeknöpfte Ärmel

Die Ärmel bestehen aus drei Schnittmusterteilen. Der lange Ärmelschlitz wird mit jeweils fünf (!) Knöpfen geschlossen.

Da die Schnitte von Müller&Sohn ohne Anleitung daherkommen, musst Du Dir über die Verarbeitung eigene Gedanken machen. Bei den Ärmeln gibt es aus meiner Sicht die Option für einen “echten” und einen “falschen” Schlitz. Die dritte Möglichkeit, nämlich komplett zugenähte Ärmelnähte, finde ich aus optischen Gründen unvorteilhaft. Ich selbst habe mich für den Fake-Schlitz entschieden. Dazu habe ich erst an der vorgesehenen Stelle die Knopflöcher eingearbeitet und dann die Innennaht am Beleg geschlossen.

Ärmel nähen: Knopflöcher nähen
Ärmel nähen: Seitennähte Schließen

An der Knopflochposition sowie an der Zugabe für den Schlitz hatte ich zuvor etwas Einlage aufgebügelt. Die Knopflöcher habe ich nicht aufgeschnitten, sondern die Knöpfe von der rechten Stoffseite komplett durchgenäht, wodurch der “Schlitz” zusammen gehalten wird. Die Ärmel knöpft man ja ohnehin nicht auf, so dass “echte” Knopflöcher an der Stelle nicht erforderlich sind. Wer sich die Arbeit machen möchte, zehn Paspelknopflöcher zu nähen sollte die Zugabe für den Schlitz größer zuschneiden als vorgegeben. Denn sonst reicht der Stoff hier nicht aus . Obwohl ich bekanntermaßen ein Fan von Paspelknopflöchern bin, habe ich mich bei den Ärmeln dagegen entschieden. Mein fertiger Ärmel sieht jetzt so aus:

Ärmel nähen: Knöpfe komplett durchnähen

Gebundener Koller

Den Koller habe ich zunächst separat genäht, dabei aber die Schulternähte offen gelassen. Er wird nämlich später in die Schulternaht des Mantel gefasst. Auch am Halsausschnitt und an den Ärmeln habe ich den Koller zusammen mit dem darunter liegenden Mantel gefasst. Übrigens ist der Koller nicht gefüttert, sondern er wird innen mit Belegen verstürzt. Diese habe ich etwas größer zugeschnitten als vorgesehen, damit die die Blicke nicht auf die Overlocknaht der Belege fallen, wenn man den Mantel offen trägt.

Koller erst separat nähen

Die Bindebänder sind zwischen Koller und Beleg eingefasst.

Ich empfehle Gürtelschlaufen in die Seite einzunähen – ansonsten baumeln die Bänder auf dem Boden, wenn der Mantel offen getragen wird.

offen getragener Mantel

Futter mit Paspel

Für ein schönes Innenleben sorgt immer ein dekoratives Paspelband …

Als weiteres Nähdetail möchte ich noch die abgesteppten, dunkelblauen Ziernähte erwähnen. Um hier zu schönen Ergebnissen zu kommen empfehle ich – wie beim Jeansnähen -, den dickeren Nähfaden (hier ein 30er Industriegarn von Gütermann) als Oberfaden und ein normales Garn als Unterfaden zu nehmen. An den Übergängen sorgt die “Hebamme” für ordentliche Stiche.

praktisches Nähtool: die “Hebamme”

Mit dem Ziergarn habe ich sämtliche Teilungsnähte sowie die Taschenklappen abgesteppt. Das sorgt für eine schöne Optik und hat außerdem meinen leichtwiderspenstigen Stoff in Zaum gehalten. Auf Knöpfe an den Taschenklappen habe ich verzichtet, weil ich auch so schon 16 Knöpfe benötigt habe, was ordentlich ins Geld gegangen ist.

Ziernähte an Teilungsnähten und Taschenklappen

Stoffempfehlung

Meine Stoffempfehlung für diesen Mantel sind nicht zu dicke Mantelstoffe. Ich selbst habe einen Wollgabardine gewählt, den ich im Herbst als 3-Meter-Coupon günstig bei Sacrés-Coupons in Paris gekauft hatte. Müller & Sohn macht leider keine Angaben zum Stoffverbrauch – auf meine Anfrage via Instagram habe ich aber sehr schnell eine Antwort bekommen und bin mit meinem Stoff genau hingekommen.

Ein Futter empfehle ich in jedem Fall. Zum einen schlüpft man besser in den Mantel – zum anderen gefällt es mir nicht sehr gut, wenn die Taschenbeutel sichtbar im Mantel herumbaumeln.

Nennenswerte Anpassungen haben ich bei diesem Schnitt nicht vorgenommen, die Maßtabelle scheint mit den Größen gut übereinzustimmen. Den Schnitt gibt es in 36-46.

Damit verabschiede ich mich für heute und werfe einen Blick auf den MeMadeMittwoch. Vielleicht tut etwas Ablenkung in dieser Zeit ja gut …

Alles Gute für Euch und herzliche Grüße

Julia

Beitrag enthält unbezahlte Werbung durch Markennennung und Verlinkung

25 Kommentare

  1. Du hast dir den perfekten zeitlosen Klassiker genäht, da lohnt sich die ganze Arbeit.

    LG, Heike

  2. Was für ein schöner Mantel, ganz großes Kino! Nun bin ich fast ein wenig traurig, dass ich mich bereits für einen anderen Trenchcoat-Schnitt entschieden habe, Viel Freude damit. Liebe Grüße Manuela

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Manuela,
      ach, es gibt doch so viele schöne Trenchcoat-Schnitte. Ich bin sicher, Du hast eine tolle Wahl getroffen!
      LG Julia

  3. Mein Kommentar schein ihm Nirvana verschwunden zu sein, also nochmal.
    Du hast dir wieder mal einen besonderen und aufwändigen Schnitt vorgenommen und bekanntermaßen toll umgesetzt.
    Sehr gut gefällt mir deine klassisch dunkelblaue Stoffwahl, die den schönen Details Raum lässt.
    Schön auch, mal eine Einschätzung der Müller&Sohn Schnitte zu lesen; ich habe schon seit längerer Zeit zwei Schnitte im Auge und werde mir jetzt mal einen davon zulegen.
    LG von Susanne

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Susanne,
      vielen Dank für Deinen netten Kommentar! Müller & Sohn bietet etwas ausgefallenere Schnitte, was man ja nicht von allen Anbietern behaupten kann. Ich bin gespannt auf Deine Wahl!
      Herzliche Grüße
      Julia

  4. Liebe Julia,

    bestimmt habe ich das schon mal so oder ähnlich geschrieben…. Der Mantel ist genau DEINS, er könnte auch Piek&Fein- Mantel heißen. Du hast wahrlich ein Händchen für sehr exclusive Schnitte und deren Umsetzung.

    Ein klares WOW zum MAntel. Viel Spaß beim Ausführen.

    LG
    Sandra

    • Ich wollte so ziemlich denselben Kommentar hier lassen…. da war Sandra schneller und ich schließe mich hundertprozentig an. Ich habe diese Zeitschrift übrigens noch nirgendwo gesehen – vielleicht gibt es sie nur im Abo?

      • piek&fein piek&fein

        Hallo Kathrin,
        ich denke, dass es die Hefte nicht im Handel zu kaufen gibt. Man muss aber nicht zwingend ein Abo bestellen, sondern kann über die Website auch einzelne Hefte beziehen. Ein Blick auf die Internetseite lohnt sich so der so …
        LG Julia

    • piek&fein piek&fein

      Liebe Sandra,
      Du hast Recht – der Mantel ist genau meins. Die Freude war entsprechend groß, als ich diesen Schnitt entdeckte!
      LG Julia

  5. Was für ein genialer Mantel. Wie viel Arbeit da drin steckt. Ein absoluter Traum.
    Die Farbe finde ich auch ganz wunderbar.
    Viele Grüße Elke

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Elke,
      vielen Dank! Ich hoffe, dass ich mit der Farbe viele Teile kombinieren kann.
      Beste Grüße
      Julia

  6. Das sieht nach einem Nähprojekt ganz nach deinem Geschmack aus, mit vielen besonderen und aufwändigen Details. Ganz großes Kino, toll! Die Lösung mit den Maschinenknopflöchern und den aufgenähten Knöpfen ist sicher gut und ökonomisch gewesen. Auf den Bildern fällt es zumindest kein bisschen auf.
    Ich hatte die Zeitschrift auch zwei Jahre lang und sie immer sehr gern gelesen, auch weil so einiges über Schnitterstellung und -anpassung drin steht.
    Viel Freude mit deinem Mantel! Vielleicht findet sich noch eine praktische Lösung für die Bindebänder, die das An- und Ausziehen vereinfacht.
    Liebe Grüße
    Christiane

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Christiane,
      vielen Dank! Für Paspelknopflöcher an den Ärmeln hätte ich mehr Stoff zugeben müssen – aber richtig gelohnt hätte sich das wohl nicht. Vorne habe ich allerdings drei Paspelknopflöcher genäht … Die Beiträge zur Schnitterstellung finde ich auch recht interessant – allerdings für mich ohne Fachkenntnis nicht ganz leicht umzusetzen.
      Viele Grüße
      Julia

  7. Hallo Julia, ein sehr besonderer Mantel, klasse. Die Ärmel sind wirklich ein Hingucker, fantastisch. Damit wirst du sicher viele Jahre Freude haben, zeitlos chic. Ich habe noch nie in den Zeitschriften geblättert. Gut zu wissen, dass man mit deren Schnittmuster zurecht kommen kann.
    Liebe Grüße Birgit

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Birgit,
      mit den Schnitten ist das natürlich auch Glücksache. Eine Jeans, die ich kürzlich ausprobiert habe, saß bei mir leider überhaupt nicht.
      LG Julia

  8. Hallo Julia, der Mantel sieht sehr aufwändig aus und toll, wie Du beschreibst, wie Du vorgegangen bist. So ganz ohne Anleitung einen solchen Mantel zu nähen – da kann ich nur sagen: Hut ab. Ich bin sicher, mir würde das den Nerv rauben. Du hast jetzt einen tollen, sehr zeitlosen Klassiker im Kleiderschrank, der sich wunderbar kombinieren lässt.
    Liebe Grüße Anke

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Anke,
      ich denke, dass man einen Mantel eigentlich immer nach den gleichen Schritten näht. Einzig beim Koller war zu überlegen, ob er eingefasst werden oder aufliegen soll. Das gibt es aber ja nicht immer nur DIE eine Lösung.
      Danke und alles Gute für Dich!
      Julia

  9. Ein sehr schöner Mantel! Tolle Details! Ich nutze sehr häufig die Konstruktionsideen der Rubrik Schnitttechnik aus der M. Und lerne immer wieder etwas neues 😉 Liebe Grüße!

    • piek&fein piek&fein

      Ich finde die Ideen teilweise auch sehr originell, wenn auch nicht immer ganz simpel umzusetzen. Am liebsten wären mir mehr Schnittmuster in den Heften – das ist zumindest für Hobbyschneider einfacher.
      LG Julia

  10. Du zeigst hier wiedermal ein Meisterstück, ich bin sehr beeindruckt von Deiner akkuraten Arbeit! Das ist ja wirklich ein interessanter Schnitt. Die geknöpften Ärmel sind ein sehr schönes Detail, und Deine Verarbeitung als Fake-Knopfleiste sicher der beste Weg. Der Bandverschluss am Koller sieht witzig aus, aber bewährt er sich denn im Alltag? Ist es nicht umständlich, das Band immer wieder durch die Gürtelschlaufen zu fädeln, oder kann das Band drin bleiben?
    Die Zeitschrift Müller und Sohn habe ichh schon einige Male gekauft, ich finde sie auch sehr interessant. Genäht habe ich allerdings noch kein Modell daraus, auch weil mich die fehlende Anleitung abgeschreckt hat. Danke für Deine Inspiration, vielleicht muß ich mich doch mal an ein Modell wagen!
    Liebe Grüße
    Barbara

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Barbara,
      Du hast es sofort erkannt: Das Design steht bei diesem Schnitt über dem praktischen Nutzen. Der Bandverschluss ist natürlich nicht gerade praktisch! Ehrlich gesagt war mir das auch schon vorher klar, ich habe mich trotzdem für das Design entschieden. Das Band muss man beim Ausziehen oder Öffnen des Mantels umfädeln, damit muss man bei diesem Modell leben. Die fehlende Anleitung muss einen nicht unbedingt schrecken. Es gibt ja auch nicht immer nur eine Lösung, die zum Ziel führt …
      Liebe Grüße
      Julia

  11. Wow! Der Mantel ist der Hammer! Ich liebe ja solche aufwendigen Nähprojekte, lieben dank für die detaillierte Beschreibung!
    Die Müller&Sohn Bücher und die Website kenne ich. Gerade beim Vintagenähen sind die alten Bücher dieses Labels sehr begehrt. Ich selbst hatte noch nie eins in der Hand und wusste auch gar nicht, dass die ein Magazin haben.
    Die Verarbeitung von Deinem Mantel ist auf jeden Fall auch sehr spannend, besonders toll finde ich die “falsche” Knopfleiste am Ärmel. Das sieht auf jeden Fall besser aus, als eine zugenähte Knopfleiste mit “Fake”-Knöpfen die nur aufgenäht sind ohne Knopflöcher. Ich würde wahnsinnig gerne auch mal so einen Mantel im Trench-Style nähen, da ich Trenchcoats liebe, aber bislang noch keinen im Laden gefunden habe, der mir richtig gut gepasst hat. 🙁
    Deine Tipps habe ich mir jedenfalls für mein Mantelprojekt schonmal gespeichert.
    Eine Frage fällt mir da allerdings noch ein:
    Hast du die Taschenbeutel unter dem Futter noch irgendwie befestigt? Ich habe letztes Jahr eine Jacke genäht und hatte da das Problem, dass die Taschenbeutel innen nach unten “sacken” und dann eine kleine Falte bilden.

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Theresia,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Also die Taschenbeutel habe ich mit einem Band in der vorderen Mittelnaht fixiert. Das macht auf jeden Fall Sinn, damit sich nichts ausbeult. Dafür nehme ich immer ein Satinband oder einen kleinen Stoffstreifen.
      Ich hoffe, Du kannst auch bald Dein Trenchcoat-Projekt umsetzen!
      Herzlichen Gruß
      Julia

  12. Ein wunderbarer Mantel. Danke für die Vorstellung.
    Ich habe seit 2 Jahren ein Abo für die Nähzeitschrift M., ein Weihnachtsgeschenk meines Mannes und ich bin immer wieder ganz begeistert. Die Veränderungen des Heftes in den letzten Jahren haben sich gelohnt.
    Gruß Mema

    • piek&fein piek&fein

      Hallo Mema,
      die Schnitte sind ja häufiger etwas ausgefallen – was ich sehr schön finde. Im aktuellen Heft gefällt mir die Longbluse mit Biesen ganz gut …
      Viele Grüße
      Julia

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